Persönliche Beschreibung des Konzepts von “études & préludes”

Anlässlich des Debussy-Jahrs 2018 wollte ich ein Konzertprogramm erstellen, in dem nicht nur das musikalische Genie eines Komponisten hervorgehoben wird, sondern auch dargestellt werden kann, wie er und sein Schaffen von anderen Komponisten beeinflusst wurden und wie er gleichzeitig andere Musiker inspiriert hat. Es ist bemerkenswert, wie sehr und wie häufig sich Komponisten aufeinander beziehen und welche Verbindungen man als Interpretin zwischen den einzelnen Werken entdecken kann. Um diese Verbindungen näher zu betrachten, habe ich mich bei der Erstellung des Programms auf zwei Genres fokussiert, nämlich die Etüden und Präludien, von daher der Titel „études & préludes“. Ich beleuchte verschiedene kompositorische Methoden und wie sich diese im Laufe der Zeit entwickelt haben. Die gespielten Werke sind zum Teil virtuos oder impressionistisch, zum Teil poetisch oder jazzig.

Alle vier heute gespielten Komponisten stehen in einer Verbindung zueinander. Der erste Teil des Programms besteht aus zwölf ausgewählten Etüden von Frédéric Chopin, Claude Debussy und György Ligeti. Die Stücke sind nach Intervallen geordnet – von einer wiederholten Note (Ligeti nennt das „Continuum“, ich hingegen bezeichne es als ein „Zero“-Intervall) zu einem Halbton-Schritt, weiter zu Ganzton-Schritt, Terz, Quart, Quint, Sext, Septim bis zur Oktav –, und entwickeln eine aufbauende Struktur und musikalische Spannung. An letzter Stelle hört man die Etüde „Pour les accords“ von Claude Debussy, bei der man die Akkorde als Kombination von Intervallen betrachten kann. Die zwei Arpeggio-Etüden davor (eine von Chopin und eine von Debussy) gelten als Beispiele für zerlegte Intervalle, die starke harmonische Nuancen und Farben bilden.Der zweite Teil besteht aus drei Komponistenblöcken. Die Zuhörer können so die deutlichen Stilunterschiede noch genauer erkennen. Diese zwölf Präludien des zweiten Teils spiegeln den ersten Teil wider und bewirken eine Geschlossenheit des Konzertprogramms, welches mit seinen 24 einzelnen Stücken als ein eigenes Kunstwerk bzw. ein eigener Klavierzyklus betrachtet werden kann.

Dora Deliyska

Stücke / pieces

12 Ausgewählte Etüden von den Zyklen:

Frédéric Chopin, „Ètudes“, op.25

Claude Dabussy, 12 Etudes

György Ligeti, „Etüden“

1. György Ligeti, Etüde Nr.10, „Der Zauberlehrling“

2. Claude Debussy, Etüde Nr.7, „Pour les Degrés chromatiques“

3. Frédéric Chopin, Etüde Nr.11, op.25

4. György Ligeti, Etüde Nr. 4, „Fanfares“

5. Frédéric Chopin, Etüde Nr.7, op.25

6. György Ligeti, Etüde Nr. 2, „Cordes á vide“

7. Frédéric Chopin, Etüde Nr. 8, op.25

8. György Ligeti, Etüde Nr.13, „L’escalier du diable“

9. Frédéric Chopin, Etüde Nr.10, op.25

10. Claude Debussy, Etüde Nr.11, „Pour les Arpéges composés“

11. Frédéric Chopin, Etüde Nr.1, op.25

12. Claude Debussy, Etüde Nr.12, „Pour les Accords“

12 ausgewählte Präludien aus den Zyklen

Frédéric Chopin, 24 Préludes, op.28

Claude Debussy, 24 Préludes, „Premier Livre“ und „Deuxième Livre“

Nikolai Kapustin, 24 Jazz preludes

Frédéric Chopin, Präludium Nr.15, op.28 in Des-Dur, Sostenuto

Frédéric Chopin, Präludium Nr.7, op.28 in A-Dur, Andantino

Frédéric Chopin, Präludium Nr.8, op.28 in fis-moll, Molto agitato

Frédéric Chopin, Präludium Nr.13, op. 28 in Fis-Dur, Lento

Frédéric Chopin, Präludium Nr.16, op.28 in b-moll, Presto confuoco

Claude Debussy,Präludium Nr.6, Band 2, „Des Pas sur la neige“, Triste et lent

Claude Debussy,Präludium Nr.6, Band 1, „General Lavine“ – excentric, Dans le style et el Mouvement dùn Cake-Walk

Claude Debussy,Präludium Nr.3, Band 2, „La puerta del Vino“, Mouvt de Habanera

Claude Debussy,Präludium Nr.7, Band 1, „Ce qu’a vu le vent d’ouest“, Anime et tumultueux

Nikolai Kapustin, Präludium Nr.12 in gis-moll, „Allegretto“

Nikolai Kapustin, Präludium Nr.11 in H-Dur „Andante“

Nikolai Kapustin, Präludium Nr.6 in h-moll „Animato“